Re: Qualität in der Krise

Written on April 30, 2009

Stefan Lieser hat gestern einen kurzen Beitrag über Qualität in der Wirtschaftskrise verfasst und Norbert Eder hat bereits darauf geantwort -- Stefan hat inzwischen Norbert wieder geantwortet.

Ich möchte zu diesem Thema den scheinbaren Spagat zwischen Qualität und Geschwindigkeit (mehr oder weniger "Time to market") aufgreifen.

Vor kurzem las ich ein Zitat von Walter Röhrl, der mit dem Thema Qualität und Wirtschaftskrise auf den ersten Blick überhaupt nichts zu tun hat -- das Zitat für mich allerdings sehr wohl:

"Für mich ist nicht das Tempo entscheidend,

mit dem ich etwas tue, sondern die Perfektion,

mit der ich etwas tue.

Wenn ich etwas mache,

dann möchte ich es perfekt machen.

Wenn ich etwas perfekt mache,

dann mache ich es beinahe zwangsläufig

auch sehr schnell."

Walter Röhrl

Übertragen auf die Softwareentwicklung (aber auch auf andere Bereiche, in denen Produkte entwickelt werden) bedeutet dies für mich: wenn ich mir Prinzipien, Regeln und Praktiken aneigne, die zu korrekter und evolvierbarer Software führen und ich wende diese bei meiner Arbeit immer an, werde ich automatisch effektiv in der Anwendung dieser Methoden. Dies führt nach einer Umstellungsphase zu einer Steigerung der Produktionseffizienz, sodass ich am Ende mit dem gleichen (oder sogar weniger) Zeitaufwand bessere Software liefern kann.

Nur wenn ich ständig versuche, mich zu verbessern, kann ich den ursächlichen Zusammenhängen auf den Grund gehen, diese verstehen und dann auch optimieren und automatisieren.

Grundlage jedes QM-Systems ist die Analyse von Prozessen hinsichtlich des Fehler- oder Gefahrenpotentials und die anschließende Prozessoptimierung.

Clean Code Developer geht hier imho genau den richtigen Weg, zu sagen: Qualität ist kein Zustand, sondern ein Prozess, der zur kontinuierlchen Verbesserung von Entwickler und Software führen soll -- auch dies ist in praktisch jedem anderen QM-System verankert und auch z.B. Scrum arbeitet mit Iterationen (dort Sprint genannt), die das bisher Erreichte betrachten, um das Kommende zu planen und zu optimieren.

Die Software-Industrie kann aus den bereits vorhandenen Erfahrungen anderer Branchen zum Thema Qualität eigentlich nur lernen und davon profitieren.